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Die Petition des VEH e.V.

PETITION

An den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages.

Der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. appelliert an die Abgeordneten des deut­schen Bundestages:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ächten Sie das an den ehemaligen Heimkindern nach 1945 bis in die 70er Jahre be­gangene Unrecht.

Geben sie den betroffenen ihre Würde zurück, die ihnen genommen wurde, indem man sie misshandelte, demütigte, ihren Willen brach und sie in vielen Fällen auch missbrauchte. Stellen Sie unmissverständlich fest, dass durch die Behandlung, wel­chen Heimkinder in der besagten Zeit unterworfen waren, die Menschenrechte verletzt worden sind.

Sorgen Sie dafür das die Betroffenen als Opfer eines unrühmlichen Kapitels deut­scher Heim-Erziehungs-Geschichte anerkannt werden.

Sorgen Sie dafür, dass keine Akten mehr vernichtet werden, damit die Betroffenen, zur Aufarbeitung ihrer verlorenen Biografie und der bis heute nachwirkenden seeli­schen Verletzungen, Einsicht in ihre Akten erhalten können, soweit diese noch vor­handen sind.

Sorgen Sie dafür, dass unbezahlte Arbeitseinsätze, wie sie in vielen Heimen stattge­funden haben, und für die keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt wurden, obwohl es sich um Arbeit gehandelt hat, die nach heutigem Verständnis sozialversicherungs­pflichtig gewesen wäre, im Versicherungsverlauf der einzelnen Betroffenen berück­sichtigt werden.

Machen Sie unmissverständlich deutlich, dass es sich dabei vorwiegend um erzwun­gene unbezahlte Arbeit gehandelt hat, die den Einrichtungen zur Wertschöpfung ge­dient hat.

Klären Sie, wie mit dem Phänomen der Kinderarbeit die in den Heimen, in welchen Kinder bis 14 Jahre untergebracht waren umzugehen ist. Kinderarbeit war auch da­mals bereits verboten.

Stellen Sie die Betroffenen jenen anderen Betroffenen gleich die in der DDR in Hei­men eingesperrt gewesen sind und denen eine Entschädigung für das erlittene Leid zugestanden worden ist.

Sorgen Sie dafür, dass die für die Langzeit-Traumatisierten erforderlichen Langzeit-Therapien bei Psychotherapeuten und in Kliniken von den Kassen bezahlt werden.

Bitten Sie die Betroffenen um Entschuldigung dafür, dass seitens der zuständigen Behörden die notwendige Aufsichtspflicht in den Heimen nicht wahrgenommen wur­de und dort Zustände möglich waren, die mit den Menschenrechten nicht vereinbar waren. Dass Sie mit dem Argument der Verwahrlosung willkürlich jahrelang wegge­schlossen werden konnten, ohne dass sie sich etwas hatten zu Schulden kommen lassen.

Fordern Sie alle Träger oder Rechtsnachfolger der damaligen Träger der Heime auf, die Betroffenen um Vergebung zu bitten für das an ihnen begangene Unrecht. Dazu sind wesentlich auch die öffentlichen Behörden zu zählen, die ihrer Aufsichtspflicht (Heimaufsicht) nicht nachgekommen sind.

Treten Sie dafür ein, dass endlich eine Wissenschaftliche Aufarbeitung der Heimer­ziehung der besagten Zeit in Gang gebracht wird, unter Berücksichtigung der Le­bens- und Leidensberichte der Betroffenen und auch deren Lebenswirklichkeit nach dem Heimaufenthalt. Dazu erscheint es notwendig, eine Bundesstiftung auf die Bei­ne zu stellen, welche die erforderlichen Mittel bereitstellt, und in die alle an dem Un­recht Beteiligten eingebunden werden müssen.

Schaffen Sie einen Weg, den Betroffene beschreiten können, um – entsprechend der Opfer von Gewalttaten noch dem OEG – für Misshandlung und Missbrauch eine an­gemessene Entschädigung zu erhalten. Die derzeit bestehende Härtefall-Regelung nach dem OEG ist nur für wenige ein gangbarer Weg.

Schaffen Sie eine Sonderregelung dahingehend, dass für alle, die zur fraglichen Zeit (vor 1975) in Heimen haben Leiden müssen, noch Minderjährige waren, eine eigene Regelung gilt, welche die Betroffenen ehemaligen Heimkinder als Opfern von Men­schenrechtsverletzungen anerkennt.

Schaffen Sie einen Fond, aus dem den Betroffenen die ihrer Lebenssituation ange­messenen notwendigen Hilfen zukommen. Sorgen Sie dafür, dass für die Betroffe­nen ein Lastenausgleich geschaffen wird.

Ermöglichen Sie eine Anhörung im Deutschen Bundestag, in der Betroffene ihre Le­bensberichte vortragen können und der Verein ehemaliger Heimkinder e.V. die hier formulierten Wünsche erläutern kann.

(Michael-Peter Schiltsky i.A. des VEH)


 


 
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